Wer von Bergen an Besitztümern umgeben ist, wird oft hart verurteilt. Die Gesellschaft neigt dazu, solche Menschen als nachlässig, faul oder verantwortungslos abzustempeln, ohne zu hinterfragen, was wirklich dahintersteckt. Experten für psychische Gesundheit warnen jedoch davor, dass exzessives Horten selten eine bewusste Entscheidung ist: In den meisten Fällen ist es der sichtbare Ausdruck einer tiefgreifenden und wenig verstandenen psychischen Störung, dem sogenannten Diogenes-Syndrom .
Diese Situation geht weit über einfache Unordnung im Haushalt hinaus. Sie umfasst emotionale, soziale und psychologische Dimensionen, die für Außenstehende oft unsichtbar bleiben und eine einfühlsamere und spezialisierte Perspektive erfordern.
Was ist das Diogenes-Syndrom?
Das Diogenes-Syndrom wurde erstmals in den 1970er Jahren beschrieben und umfasst eine Reihe extremer Verhaltensweisen, die mit der zwanghaften Anhäufung von Gegenständen, sozialer Isolation und in vielen Fällen der Zurschaustellung des eigenen Körpers und der Umgebung, in der die Person lebt, verbunden sind.
Obwohl die Störung häufig mit älteren Erwachsenen in Verbindung gebracht wird, kann sie Menschen jeden Alters betreffen. Anders als oft angenommen, ist diese Störung nicht immer mit einer schweren psychischen Erkrankung verbunden. Viele Betroffene haben keine eindeutige psychiatrische Diagnose, was zeigt, dass die Ursachen vielfältig sind und sich nicht auf eine einzige Erklärung reduzieren lassen.
Die Ansammlung als Reaktion auf emotionalen Schmerz
Experten sind sich einig, dass sich Verhaltensmuster in vielen Fällen als Reaktion auf traumatische Erlebnisse manifestieren. Situationen wie der Tod eines geliebten Menschen, anhaltende Trauer, familiäre Konflikte, Verlassenwerden oder abrupte Veränderungen im Alltag können die emotionale Stabilität eines Menschen tiefgreifend beeinträchtigen.
Angesichts dieser inneren Leere gewinnen Gegenstände einen symbolischen Wert, der über ihren eigentlichen Nutzen hinausgeht. Sie werden zu Begleitern, Zufluchtsorten, einem trügerischen Gefühl von Sicherheit, Kontinuität und Kontrolle über das eigene Leben. Das Anhäufen von Dingen wird so zu einem unbewussten Schutzmechanismus gegen Angst, Einsamkeit und das Gefühl der Verlassenheit.
