Offizielle internationale Klassifikationen
Die Weltgesundheitsorganisation hat auf der Grundlage von BMI-Werten standardisierte Kategorien festgelegt, die mit unterschiedlichen Gesundheitsrisiken verbunden sind:
Untergewicht : BMI unter 18,5 – Verbunden mit Risiken wie Mangelernährung, Knochenbrüchigkeit und Nährstoffmängeln
Normalgewicht : BMI zwischen 18,5 und 24,9 – ein Bereich, der als optimal für die allgemeine Gesundheit gilt.
Übergewicht : BMI zwischen 25 und 29,9 – Mäßig erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Mäßiges Übergewicht : BMI zwischen 30 und 34,9 – Erhöhtes Risiko für Stoffwechselstörungen
Schweres Übergewicht : BMI zwischen 35 und 39,9 – Erhebliche Risiken, die eine medizinische Überwachung erfordern
Morbide Adipositas : BMI gleich oder größer als 40 – Sehr hohe Risiken, die therapeutische Interventionen rechtfertigen
Anerkannte wissenschaftliche Einschränkungen
Gesundheitsexperten und Ernährungsforscher weisen auf mehrere wichtige Einschränkungen hin, die die ausschließliche Verwendung des BMI als Gesundheitsindikator relativieren:
Fehlende Unterscheidung der Körperzusammensetzung : Der BMI unterscheidet nicht zwischen Muskel- und Fettmasse. Ein Spitzensportler mit stark ausgeprägter Muskulatur, wie beispielsweise ein Rugbyspieler oder Bodybuilder, kann einen BMI von 28 oder 30 haben und damit theoretisch als übergewichtig oder adipös gelten, obwohl er einen sehr niedrigen Körperfettanteil und eine ausgezeichnete körperliche Verfassung aufweist.
Fehlende Berücksichtigung des biologischen Geschlechts : Natürliche physiologische Unterschiede zwischen Männern und Frauen werden in dieser standardisierten Formel nicht berücksichtigt. Frauen haben von Natur aus einen höheren Körperfettanteil (wichtig für die Fortpflanzung), während Männer im Allgemeinen eine größere Muskelmasse besitzen. Diese normalen biologischen Unterschiede spiegeln sich nicht im BMI wider.
Unterschiede je nach ethnischer Herkunft : Jüngste Forschungsergebnisse zeigen, dass die optimalen BMI-Grenzwerte zwischen ethnischen Gruppen variieren können. Asiatische Bevölkerungsgruppen haben beispielsweise bei niedrigeren BMI-Werten ein geringeres Risiko für Stoffwechselkomplikationen als europäische Bevölkerungsgruppen, weshalb die WHO angepasste Grenzwerte für diese Bevölkerungsgruppen vorgeschlagen hat.
Fehlende Lokalisierung der Fettmasse : Der BMI liefert keine Informationen über die Verteilung des Körperfetts, die für die Beurteilung von Gesundheitsrisiken entscheidend ist. Viszerales Bauchfett ist deutlich schädlicher für die Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Gesundheit als peripheres subkutanes Fett.
Über Standards hinaus: Individualisierung des Ansatzes
Anpassung der Gewichtsbewertung
Experten für Verhaltensernährung und Präventivmedizin betonen einhellig die entscheidende Bedeutung einer individuellen Gewichtsbeurteilung anstelle der schematischen Anwendung standardisierter Normen. Eine Person mit einem BMI leicht über 25, die nach offiziellen Kriterien als übergewichtig gilt, kann ihr optimales Gewicht durchaus halten, wenn sie mehrere allgemeine Gesundheitskriterien erfüllt:
Ausgezeichneter allgemeiner körperlicher Zustand mit guter Herz-Kreislauf-Kapazität
Biologische Parameter im Normbereich bei Blutuntersuchungen: normaler Nüchternblutzucker, ausgeglichenes Lipidprofil (HDL-Cholesterin, LDL-Cholesterin, Triglyceride), optimaler Blutdruck
Eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung, reich an essentiellen Nährstoffen und arm an hochverarbeiteten Lebensmitteln
Regelmäßige körperliche Aktivität, angepasst an die eigenen Fähigkeiten und Vorlieben
Stabiles psychisches Wohlbefinden ohne Essstörungen
Risiken starrer und einheitlicher Standards
Der Versuch, den BMI-Standards durch extrem restriktive Diäten zu entsprechen, kann nicht nur kontraproduktiv, sondern auch langfristig die körperliche und seelische Gesundheit gefährden. Chronisch restriktives Essverhalten kann den Grundumsatz tiefgreifend und dauerhaft stören, den besonders schädlichen Jo-Jo-Effekt (wechselnde Gewichtsabnahme und -zunahme) begünstigen und in schwersten Fällen Essstörungen wie Anorexie, Bulimie oder Binge-Eating-Störung auslösen.
Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass Gewichtsstabilität, selbst bei einem Gewicht, das leicht über dem Normbereich liegt, oft gesundheitsförderlicher ist als wiederholte Gewichtsschwankungen, die durch aufeinanderfolgende Diäten hervorgerufen werden.
